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Eierlikör ohne Sahne

Die Zuständigkeit der EU-Verwaltung in Brüssel reicht weit, und die EU-Bürokratie macht reichlich Gebrauch davon, was ihr nicht selten den Vorwurf der Regulierungswut eingetragen hat. Brüsseler Regeln rückten das EU-Machtzentrum manchmal in die Nähe von Schilda. Erinnert sei an die Gurkenkrümmungsverordnung aus dem Jahr 1988, die interessierte politischen Kreise und das Kabarett über Jahre mit Stoff versorgten. Zwar wieder abgeschafft, ist sie trotzdem als Synonym für den EU-Regulierungswahn in die Geschichte eingegangen.

Und jetzt geht es dem Eierlikör an den Kragen. Auch das Traditionsgetränk ist der Regulierungswut in Brüssel zum Opfer gefallen. Nach einem höchstrichterlichen Beschluss darf Eierlikör keine Milchprodukte enthalten. Das hat der Europäische Gerichtshof (EuGh) im Oktober entschieden. Konditoren dürfte dieser Beschluss alles andere als erfreuen. Mit Sahne angerührter Eierlikör in Torten, Kuchen und Pralinen ist bei den Verbrauchern beliebt. Dann schmeckt er besonders gut und hat eine angenehmere Konsistenz. Für Produktentwickler bedeutet das Gesetz eine weitere Einschränkung ihrer Möglichkeiten. Die individuelle Zubereitung, die Gelegenheit eines qualitativ unvergleichbaren Produkts, das es nur von dem einen bestimmten Hersteller gibt, sein Geheimrezept – vielleicht über Generationen gehütet und gepflegt, für das unter Umständen auch weitere Wege gegangen werden – alles abgeschnitten.

Nach der Entscheidung der EU-Richter darf Eierlikör künftig nur als solcher bezeichnet werden, wenn er neben dem Alkohol lediglich Eiweiß, Eigelb, Zucker oder Honig sowie eventuelle Aromastoffe enthält. Hintergrund für diesen Beschluss ist ein Streit zwischen zwei Likörherstellern. Einer der beiden hatte Milch verwendet, was der andere nicht hinnehmen wollte. Zunächst hatte sich das Landgericht Hamburg mit dem Fall beschäftigt, diesen aber mit der Fragestellung dem Europäischen Gerichtshof vorgelegt, ob die Aufzählung der Bestandteile eines alkoholhaltigen Getränks in der entsprechenden EU-Verordnung abschließend sei. Das hat der EuGh bestätigt: Eierlikör darf nur dann so genannt werden, wenn er „keine anderen als die in der Bestimmung genannten Bestandteile enthält“. Das Gericht begründete sein Urteil mit Blick auf einen „fairen Wettbewerb“ und auf die Erhaltung des guten Rufes europäischen Alkohols.

Eine Firma aus der Nähe von Magdeburg will ihrem Familienrezept für den Eierlikör treu bleiben. Gefragt sind nun Wege, die Aufmachung des Produktes und den Namen ändern zu können. Ohne Umsatzeinbußen. Für das Unternehmen steht jedoch fest, dass an der Rezeptur nicht gerüttelt werde. Vielleicht bringt der vom Spirituosenverband bereits eingebrachte Änderungsantrag dann irgendwann wieder die Möglichkeit den gewünschten Geschmack über die Zutatenliste entscheiden zu lassen.

Geschrieben von Markus Messemer

Since 2007 intensively involved with the topic "CleanLabel", Markus Messemer is committed to declarations-friendly recipes, raw materials and technologies.

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